Bedingungslose Liebe

Bedingungslose Liebe – und was sie so schwer macht

Bedingungslose Liebe

Bedingungslose Liebe klingt verheißungsvoll. Geliebt werden ohne Erwartungen erfüllen zu müssen, einfach um unser selbst willen. Die reinste Form der Liebe, wie wir sie im Optimalfall als Kind von unseren Eltern erfahren haben. Zeit unseres Lebens suchen viele von uns nach dieser Form der Liebe und versprechen sich davon ihr großes Seelenheil! Der romantisch verklärte Blick auf eine Liebe ohne Bedingungen tut sein Übriges. Das soll keineswegs desillusioniert klingen, aber es soll dazu motivieren, einen detaillierten Blick auf die bedingungslose Liebe zu werfen!

Die Bedeutung von bedingungsloser Liebe

Was bedeutet es, bedingungslos zu lieben bzw. geliebt zu werden? Ursprünglich kommt der Begriff aus der Spiritualität und bezeichnet dort eine tiefe Verbundenheit zu allen Lebewesen und Dingen, die frei von jedem Anspruch ist. Aber lässt sich das 1:1 auf eine Partnerschaft oder andere zwischenmenschliche Beziehungen übertragen? Nein! Denn genau hier ist der Knackpunkt. Bedingungslos zu lieben würde bedeuten, seinen Partner oder seine Partnerin um jeden Preis zu lieben. Egal, was er oder sie tut oder sagt, wir würden ihn ohne Wenn und Aber lieben. Es gäbe nichts, was unsere Liebe schmälern würde. Eine Liebe ohne Bedingungen und Ansprüche kann in den meisten Fällen nicht funktionieren. Wer wäre schon begeistert, wenn sein Partner oder seine Partnerin nur die eigenen Bedürfnisse sieht und erfüllt? Vielleicht sogar Gewalt ausübt? Genau das bedeutet es aber eben auch bedingungslos zu lieben! All das würde unsere Liebe nicht schmälern, wir würden sie ihm oder ihr weiterhin unvoreingenommen entgegenbringen. Du erkennst vielleicht schon, wie schwierig das Thema tatsächlich ist. Nahezu jeder von uns hat Erwartungen oder Ansprüche. Wir wünschen uns jemanden, der zum Beispiel unsere Bedürfnisse erkennt und befriedigt. Nur wenige Menschen sind so erleuchtet, dass sie tatsächlich frei von allen Erwartungen sind und jedes Lebewesen gleichermaßen lieben. Die Vorstellung, dass die Menschheit dazu in der Lage wäre, ist wundervoll! Allerdings wäre eine der Voraussetzungen dafür aus meiner Sicht, dass insbesondere der Mensch lernt, sich zurückzunehmen und Hass, Neid, Missgunst und Boshaftigkeit abzulegen.

Kannst Du bedingungslose Liebe empfangen?

Nun stellen wir uns einmal vor, wir würden bedingungslos geliebt werden. Auf den ersten Blick klingt das verlockend. Unser Partner oder unsere Partnerin bringen uns andauernde tiefe Liebe entgegen und stellen weder Ansprüche noch Bedingungen. Wir können machen, was wir wollen. Uns benehmen, wie es uns gefällt. Wie lange würde das wohl gut gehen? Wann kämen die ersten Zweifel auf? Wann würden wir uns vielleicht fragen, ist das noch bedingungslose Liebe oder schon Gleichgültigkeit? Du siehst also, auch in diese Richtung kann bedingungslose Liebe schwierig werden.

Allerdings gibt es einen Umstand, der bedingungslose Liebe absolut erfordert und unerlässlich macht: Die Liebe zu Dir selbst! 

Ich liebe mich in diesem jetzigen Augenblick – ich will damit nicht warten, bis ich abgenommen oder einen neuen Liebhaber oder dies oder jenes gefunden habe. Dieser Moment ist meine Wirklichkeit und ich weiß, allein hier und jetzt ist der Zeitpunkt, zu dem ich anfangen kann, mich so zu lieben und anzunehmen, wie ich bin. Bedingungslose Liebe ist Liebe ohne Erwartungen, und auf diese Weise will ich mich lieben. Bedingungslose Liebe bedeutet, alles so anzunehmen, wie es ist.

Louise L. Hay

Gibt es eine Alternative zur bedingungslosen zwischenmenschlichen Liebe?

Ganz klar: ja! Du musst nicht bedingungslos lieben und geliebt werden, um eine tiefe, ehrliche und verbindende Liebe zu erfahren. Es gibt einiges, was Du tun kannst, um Liebe so zu leben, dass sie für Dich und Deinen Partner oder Deine Partnerin erfüllend ist.

  1. Kommunikation und aktives Zuhören! Nimm Dir Zeit für Gespräche mit Deinem Partner / Deiner Partnerin. Hör zu und lass ihn / sie immer ausreden. Wenn Du Kritik üben möchtest, bleib bei Dir und mache Deinem Gegenüber keine Vorwürfe.
  2. Achte Deine Grenzen und die Deines Partners / Deiner Partnerin! Die Bedürfnisse des anderen zu erfüllen, sollte etwas Schönes sein und Dir Freude bringen. Du solltest immer nur das machen, was sich für Dich gut anfühlt. Willst Du etwas nicht, sprich es an und versuche eventuell einen Kompromiss mit Deinem Partner / Deiner Partnerin zu finden.
  3. Begegne Deinem Partner / Deiner Partnerin immer respektvoll und wertschätzend und fordere dies auch für Dich ein!
  4. Ein starkes Selbstwertgefühl bewahrt Dich vor einer abhängigen Liebe. 
  5. Sei offen und ehrlich! Du darfst sagen, was Du Dir wünschst und erwartest. Aber auch hier gilt: Bleib bei Dir und zeige Deinem Partner / Deiner Partnerin Deine Wertschätzung, wenn Du das Gespräch suchst.
  6. Verzichte darauf, Druckmittel wie zum Beispiel Liebesentzug einzusetzen! Streiche Sätze wie „Du liebst mich wohl nicht mehr?“ oder „Wenn du das nicht machst, liebst du mich nicht!“ aus Deinem Wortschatz

Deine Vio


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Midlife-Crisis

Midlife Crisis – wie die Lebensmitte nicht in die Krise führt

U-Kurve des Glücks

Auch aus dem deutschen Sprachgebrauch ist der Begriff inzwischen nicht mehr wegzudenken – die Midlife Crisis. Sie beschreibt eine Krise in der Lebensmitte. Etwa zwischen Mitte 30 bis Mitte 50. Der Begriff wird heutzutage eher inflationär genutzt und häufig auch ins Lächerliche gezogen, sodass er seiner eigentlichen Bedeutung nicht immer gerecht wird. Denn eine Midlife Crisis kann für die Betroffenen zu einer großen psychischen Belastung werden, die sich durchaus als Depression festsetzen kann. Forscher haben herausgefunden, dass das allgemeine Wohlbefinden ab Mitte 30 sinkt. Häufig erreicht es Mitte 40 seinen Tiefpunkt, um dann langsam wieder anzusteigen und bis ins hohe Alter relativ konstant zu bleiben. Man spricht hier auch von einer „U-Kurve des Glücks“.

Wie kommt es zu einer Midlife Crisis?

Im Alter zwischen 35 und 55 läuft unser Leben in der Regel geordnet. Manche Menschen haben ihre Familienplanung vorangetrieben, andere vielleicht Karriere gemacht. Unter dem Strich haben wir uns in dieser Zeit aber bereits für einen Lebensweg entschieden und diesen verfolgt. Unbewusst beginnen wir nun, zurückzuschauen und uns zu fragen: Was habe ich erreicht? Wo stehe ich inzwischen? Welche Träume haben sich erfüllt? Was habe ich vielleicht verpasst? Und wir beginnen zu bewerten. Unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart. Unsere Ansichten und Werte haben sich verändert. Vielleicht würde wir die ein oder andere Entscheidung, die wir mit 20 getroffen haben, heute anders treffen. Hinzu kommt, dass wir alle eines gemeinsam haben – unsere Körper verändern sich. Hormonelle Ungleichgewichte treten spätestens ab 40 bei Frauen ebenso wie bei Männern auf. Und sie bringen neue Erfahrungen mit sich. Das Haar wird dünner oder fällt aus, die ein oder andere Falte zeigt sich, Muskelmasse nimmt ab und stattdessen setzen wir plötzlich mehr Fett an. Unsere kognitiven Fähigkeiten werden stärker gefordert. Stimmungsschwankungen können uns das Leben schwer machen und uns beeinträchtigen. Wir merken, dass wir keine 25 mehr sind, fühlen uns häufig aber auch noch nicht älter. Es fällt uns schwer, unseren Platz zu finden. 

Midlife Crisis

Denn auch gesellschaftlich verändert sich unsere Position zunehmend. Die eigenen Eltern werden älter und gebrechlicher. Wir werden stärker mit Krankheit und vielleicht auch Tod konfrontiert. Und unsere eigene Vergänglichkeit rückt mehr und mehr in unser Bewusstsein. Wer mit Mitte 40 weder Facharzt noch Jurist ist, wird es vermutlich auch nicht mehr. Die bewusste Entscheidung einer Frau gegen Kinder ist irgendwann in der Regel nur noch unter großen Anstrengungen rückgängig zu machen und nicht immer von Erfolg gekrönt. Unsere Beziehung und langjährige Freundschaften stellen uns vor neue Herausforderungen und bergen eventuell auch Konfliktpotenzial, sodass wir verstärkt daran arbeiten müssen. Wir merken, dass manche unserer Entscheidungen endgültiger werden und die Zeit, Versäumtes nachzuholen, kürzer wird. Das kann sehr belastend sein. Äußern kann sich eine Midlife Crisis unter anderem durch:

  • das Gefühl von Ohnmacht 
  • das Gefühl im eigenen Leben „gefangen“ zu sein
  • den Wunsch wegzulaufen und / oder aus allen Routinen auszubrechen
  • eine große Unzufriedenheit mit vielen Aspekten deines Lebens
  • eine ständige Traurigkeit und / oder Gereiztheit
  • Grübeleien über vertane Chancen und den Sinn Deines Lebens
  • eine negative Zukunftsperspektive
  • Schuldgefühle
  • Angst vor dem Altwerden 

Warum erfüllt uns so vieles plötzlich nicht mehr?

Da sich unsere Werte im Laufe des Lebens verändern, kommt es häufig dazu, dass uns die einst erreichten Ziele und Träume nicht mehr erfüllen. War der Sportwagen mit Mitte 20 noch der Lebenstraum schlechthin, hat er mit 40 wohl möglich keine Bedeutung mehr. Unsere Kinder werden größer und selbstständiger und wir werden somit weniger gebraucht. In der Mitte unseres Lebens beginnen wir, Beziehungen bewusster zu gestalten. Freundeskreise werden kleiner und dafür inniger. Wir benötigen für unser eigenes Fortkommen keine anderen Menschen mehr, sondern wählen bewusst die Kontakte, die uns gut tun und mit denen wir uns wohlfühlen. In dieser Zeit kann es auch vorkommen, dass alte Freundschaften zerbrechen, weil man sich auseinander gelebt hat. Wir beginnen uns neu zu orientieren und nach neuen Dingen zu suchen, die uns erfüllen und unserem Leben einen (neuen) Sinn geben.

Was hilft in der Midlife Crisis?

Lerne Dich und Deine Gefühle, Ängste, Zweifel und Gedanken anzunehmen. Du bist vollkommen in Ordnung, wie Du bist. Auch wenn Dich all das gerade extrem nervt und Du Dich niedergeschlagen fühlst, sei umsichtig mit Dir. Schuldgefühle sind vollkommen fehl am Platz – von ihnen kannst Du Dich getrost verabschieden. Im Gegenteil, sie stehen Dir nur im Weg! Auch wenn Dein Körper Dir Grenzen setzt, akzeptiere sie. Deine Leistungsfähigkeit sagt nichts über Deinen Wert aus. Dein Alter hat ganz andere Vorzüge! Wenn Du wirklich neu durchstarten willst, tue es. Du bist nie „zu alt“. Dir stehen alle Türen offen und Du kannst Dich vollkommen neu erfinden. Aber beachte, dass anders nicht immer besser ist. Frage dich im Vorfeld, was Du wirklich willst. Wo willst Du hin? Was willst Du noch erreichen? Finde heraus, was Dich glücklich macht, wofür Du brennst. Ziehe auch Bilanz und überlege Dir, was Du in Deinem Leben absolut nicht mehr möchtest. Ein Coaching kann Dir hier neue Perspektiven aufzeigen. Alles hinzuschmeißen, um dann nach einiger Zeit festzustellen, dass das Neue Dich auch nicht erfüllt, ist sinnlos. Achte auf Dich, Deine Bedürfnisse und Deine Gesundheit. Sprich Probleme an und teile Deine Sorgen mit anderen Menschen (privat oder professionell). Durchbrich Deine Routinen, sammle neue Erfahrungen und befreie Dich so von Monotonie und Langeweile.

Die Symptome einer Midlife Crisis können sehr diffus sein. Solltest Du das Gefühl haben, stärker belastet zu sein, ist es sinnvoll, Dir Unterstützung durch einen Therapeuten oder Coach zu suchen. Wir begleiten Dich in unseren Coachings durch diese besondere Lebensphase.

Deine Vio


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Lebenssinn

Hat ein Leben ohne Sinn eigentlich Sinn?

Lebenssinn

Manche Menschen suchen ewig nach dem Sinn in ihrem Leben und finden ihn doch nie. Der Wiener Psychologe Viktor Frankl war einer der Ersten, die sich näher mit dem Begriff und dessen Bedeutung für unser Leben auseinandersetzte. Selbst in mehreren deutschen Konzentrationslagern interniert, konnte er dort an sich und den Menschen um sich herum feststellen, dass die Menschen sich aufgaben, wenn sie keinen Sinn mehr in ihrem Leben sahen. Für Frankl bedeutete diese Beobachtung, dass alle Menschen scheinbar einen Willen zum Sinn besitzen und dass es möglich ist, Menschen bei der Sinnfindung mit bestimmten Methoden zu unterstützen. Der von Frankl geprägte Sinnbegriff beschreibt eine transzendente Ebene – unter allen Umständen und ohne jeglichen Vorbehalt hat das Leben eines jeden Menschen einen Sinn und eine Bedeutung. 

Auch wenn Frankl eine sehr philosophisch und religiös anmutende Interpretation des Sinnbegriffs zugrunde legt, lässt sich diese Sichtweise durchaus auf die moderne spirituelle Perspektive übertragen. Jeder Mensch hat zu jeder Zeit und unter allen Umständen die freie innere Wahl, die Sinn stiften und fördern kann. Es ist diese unsichtbare Kraft, die Menschen die schlimmsten Situationen erdulden und überstehen lässt. Menschen stellen sich immer wieder Existenzfragen wie „Herrscht im Universum eine Ordnung?“, „Gibt es eine göttliche Fügung?“, „Ist alle Energie miteinander verbunden und steht in einem Zusammenhang?“ oder auch „Welchen Zweck hat meine Existenz?“, „Gibt es eine Aufgabe, die ich zu erfüllen habe?“.

Der Lebenssinn ist es, der uns antreibt. Kennen wir unseren Lebenssinn haben wir Ziele vor Augen, treffen Entscheidungen, leben unsere sozialen Werte und empfinden Erfüllung. Unser Selbstwert steigt, wir empfinden Selbstwirksamkeit. Kennen wir unseren Lebenssinn, können wir Krisen, Stress und schwierige Lebensumstände besser ertragen. Eine Reihe von Studien belegen zudem, dass der Lebenssinn eine positive Auswirkung auf das individuelle Wohlbefinden und die Gesundheit hat. Ohne Lebenssinn bzw. den Willen zum Sinn geraten Menschen in eine existenzielle Krise. Ziellosigkeit, Apathie, Langeweile, Leere, Orientierungslosigkeit und nicht zuletzt eine gefühlte Bedeutungslosigkeit des eigenen Lebens sind die Konsequenz. 

Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben – aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.”

Hermann Hesse

Wie finde ich meinen Lebenssinn?

Der Lebenssinn verändert sich im Laufe eines Lebens. Als junge Erwachsene zum Beispiel haben wir andere Bedürfnisse als in späteren Jahren. Die Dinge, die unser Herz berühren, uns fesseln, für die wir brennen, verändern sich. So wie sich unsere Interessen verändern. Das Leben ist im ständigen Fluss und sein Sinn fließt ebenso. Es gibt keinen „Individual-Sinn“ nach dem alle Menschen streben. Unser Lebenssinn ist individuell gefärbt. Was für den einen Menschen wichtig ist, ihm freudiges Herzklopfen und Begeisterung verursacht, kann einem anderen Menschen vielleicht nur ein müdes Lächeln entlocken. Wenn du also auf der Suche nach deinem Lebenssinn bist oder merkst, dass dich das, was dich früher so motiviert hat, einfach nicht mehr anspricht, kannst du dir folgende Fragen stellen:

  • Was berührt dein Inneres?
  • Welche Werte sind dir wichtig? 
  • Welche Bedürfnisse hast du aktuell, die du vielleicht noch nicht wahrgenommen oder bisher ignoriert hast? 
  • Welche Dinge zaubern dir ein Lächeln ins Gesicht? 
  • Bei welchem Gedanken bekommst du eine Gänsehaut? 

Bedenke bitte, dass es nicht darum geht, gesellschaftliche Normen zu erfüllen oder möglichst sozial zu sein, Weisheiten eines Gurus zu folgen oder ähnliches – bei der Suche nach deinem Lebenssinn geht es nämlich um dich! Lass dich inspirieren, aber vergiss nicht, dass es dein freier Wille ist, der dich zu deinem Sinn führt.

Du willst dich auf die Suche nach deinem Lebenssinn machen? Herausfinden, was dich wirklich erfüllt und glücklich macht? In unseren Coachings begleiten wir dich individuell und vertrauensvoll auf deinem Weg. Melde dich gerne für ein unverbindliches kostenloses Erstgespräch bei uns: info@mindwellness-berlin.de | 030 548 65 228

Deine Vio


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Angst als Freundin

Warum deine Angst eine gute Freundin ist

Angststörung

Wenn du an einer Angststörung leidest, wirst du dir jetzt vermutlich sagen: „Was ist das für ein Blödsinn? Meine Angst macht mir das Leben so schwer.“ Und das kann ich absolut verstehen. Trotzdem möchte ich dir hier eine andere Sichtweise aufzeigen und vielleicht kannst du etwas davon für dich mitnehmen. Lass uns zuerst einen Blick darauf werfen, was Angst eigentlich ist und warum du sie sogar körperlich spürst. Zuerst einmal: Angst ist eine unserer Basisemotionen und (über) lebenswichtig! In früheren Zeiten wurden Menschen häufig mit lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert. Angst spielte daher als eigenes Frühwarnsystem eine zentrale Rolle, um uns vor Risiken zu warnen und zu behüten. Diese Angst nennt man auch Zustandsangst. Sie bezeichnet ein vorübergehendes Angstgefühl in Folge einer realen Gefahr. Das spüren wir auch körperlich. Empfinden wir Situationen als bedrohlich, schütten unsere Nebennieren Adrenalin und Noradrenalin aus. Diese Hormone bewirken einen Pulsanstieg und wir spüren unser Herz schneller und kräftiger schlagen. Unsere Pupillen weiten sich und wir sind in der Lage, Kräfte frei zu setzen, die wir unter normalen Umständen nicht mobilisieren könnten. 

In der heutigen Zeit finden wir uns nur noch selten in Situationen wieder, in denen unser Leben direkt bedroht wird. Dennoch empfinden wir oftmals Angst. Woher kommt diese Angst? Die Ängste des modernen Menschen sind so vielfältig wie wir selber. Menschen haben Existenzängste, Angst vor Terror und Krieg oder auch Angst vor einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Die Angst vor Kontrollverlust liegt den meisten unserer Ängste zugrunde und bereitet uns Sorge. Das ist erstmal vollkommen normal und betrifft die meisten Menschen irgendwann im Laufe ihres Lebens unterschiedlich stark. In der Regel lassen sich diese Sorgen und Ängste gut kontrollieren – auch wenn sie belastend sind – und gewinnen nicht die Oberhand. Was aber wenn sie außer Kontrolle geraten?

Von der Sorge zur Angststörung

Können wir unsere Gedanken und Ängste nicht mehr kontrollieren, sprechen Mediziner und Psychologen von einer Angsterkrankung oder Angststörung. Diese Form der Angst nennt man auch „trait anxiety“, d.h. Angst als Eigenschaft. Die Betroffenen empfinden Angst, auch ohne dass eine reale Gefahr vorliegt. Wie zeigt sich eine Angststörung? Bei vielen Betroffenen zeigt sich die Angststörung ganz plötzlich aus dem vermeintlichen Nichts in Form einer Panikattacke. Panikattacken werden begleitet durch Atemnot, Schwindel, Herzrasen und können in einer realen Todesangst gipfeln. Was absolut verständlich ist, wenn man sich die körperlichen Symptome, die durch das Empfinden von Angst ausgelöst werden, in Erinnerung ruft. Allein das Erleben einer Panikattacke kreiert eine neue Angst – nämlich die Angst vor der Angst! 

Angststörungen können sich aber ebenso schleichend manifestieren. Die Betroffenen grübeln viel und befürchten selbst in alltäglichen Situationen Katastrophen zu erleben. Sie können diese zermürbenden Gedanken weder kontrollieren noch abstellen. Beide Verläufe haben eine einschneidende Wirkung auf das Leben der Betroffenen. Sozialer Rückzug, Vermeidung sowie körperliche Symptome durch das stetige Stresserleben schränken die Betroffenen extrem ein. Für Betroffene wird es zunehmend schwerer, ihren Alltag zu bewältigen. 

Wie kannst du deiner Angst begegnen?

Eine Angststörung entsteht nicht einfach so. Oftmals hat unsere Seele schon verzweifelt versucht, auf sich aufmerksam zu machen. Wir Menschen neigen jedoch leider dazu, ihre Hilferufe zu ignorieren. Irgendwie wird es schon gehen. Bis das Fass überläuft. Die Folge ist dann (neben möglichen anderen psychischen Erkrankungen) häufig eine Angststörung. Du siehst also, das Warnsystem funktioniert im Grunde sehr gut! Die Angst versucht uns vor Überlastung, Stress oder auch traumatisierenden Erlebnissen zu schützen. Und genau hier kommt die Sache mit der guten Freundin ins Spiel! Denn genau wie es eine gute Freundin machen würde, will uns die Angst sagen: „Sieh her! Schau genau hin. Das tut dir nicht gut.“ Oder: „Schalte einen Gang zurück! Du kannst nicht länger so weitermachen.“ Vielleicht aber auch: „Befreie dich aus dieser Situation. Dieser Mensch (Job etc.) tut dir nicht gut! Du kannst nicht noch mehr aushalten.“ Und so wie eine gute Freundin nimmt sie dich bei den Schultern und schüttelt dich einmal kräftig. Wenn wir erkennen, dass unsere Angst ein Indikator für unsere seelische Gesundheit sein kann, dann hören wir ihr vielleicht zu statt sie zu bekämpfen. 

Angst ist für die Seele ebenso gesund wie ein Bad für den Körper.

Maksim Gorki

Was kannst du tun, um dir deine Angst zu Nutze zu machen?

  • Konzentriere dich auf das Hier und Jetzt! Gedanken an die Vergangenheit und die Zukunft sind oftmals Angst behaftet. Mach dir bewusst, dass die Vergangenheit vergangen ist. Du hast die Situation bewältigt! Und die Zukunft liegt noch vor dir. Angst vor zukünftigen Ereignissen ist irreal, denn du weißt noch gar nicht, was passieren wird. 
  • Wenn du Angst aufsteigen spürst, hinterfrage sie! Frage dich, ob es jetzt gerade eine konkrete Bedrohung gibt? Achtung! Wenn du unter Panikattacken leidest, mache dir bewusst, dass deine körperlichen Symptome eine Reaktion auf deine Angst sind. 
  • Häufig werden Panikattacken wieder und wieder durch die selben Situationen getriggert (z.B. beim Autofahren). Bist du in so einer Situation, denke daran, wie oft du diese Situation unbeschadet und vielleicht sogar ganz einfach erlebt hast. 
  • Konzentriere dich auf deine Atmung oder auf etwas, was du gerade siehst. Nimm jedes Detail wahr und lenke deinen Fokus somit weg von deiner Angst.
  • Hinterfrage deine Lebenssituation! Was belastet dich? Hast du vielleicht gerade viel Stress oder bist unzufrieden?
  • Nimm dir Auszeiten! Entspannungsverfahren können dir helfen, zur Ruhe zu kommen.

Unsere Gedanken in die richtige Richtung zu lenken, erfordert eine Menge Übung. Aber es zahlt sich aus. Je mehr wir versuchen, die Angst zu bekämpfen, umso mehr halten wir sie in unserem Bewusstsein und unserem Leben. Schaffen wir es, sie zu akzeptieren und zu hinterfragen, können wir die Dinge ändern, die dazu geführt haben. 

Angst kann sehr erdrückend sein, daher solltest du dich nicht scheuen, dir Unterstützung durch einen Therapeuten oder Coach zu suchen. Wir begleiten dich gerne auf deinem Weg zu einer gesunden Angst!

Deine Vio


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Perspektivwechsel im Rückspiegel

Warum eine andere Perspektive Dein Leben nachhaltig verändern kann

Perspektivwechsel

Kennst du das Gefühl, wenn du merkst, dass sich dein Leben irgendwie nicht mehr richtig anfühlt? Weder Partnerschaft noch Job oder Hobbies erfüllen dich und du hast mehr und mehr den Wunsch, dein Leben zu verändern, obwohl in deinem Leben ja eigentlich alles okay ist?

Im stressigen Alltag haben wir häufig keine Zeit auf uns zu achten. Aber immer dann, wenn es ruhiger wird, meldet sich die Unzufriedenheit zurück und man stellt sich dann die Frage: „Warum und wofür mache ich das alles eigentlich?“ 

Spätestens jetzt wird es Zeit, über dich und dein Leben nachzudenken und es vielleicht einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Warum ein Perspektivwechsel gar nicht so leicht ist

Die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, einen Perspektivwechsel zu vollziehen … so einfach ist es nicht. Wenn man nicht weiß, wie man seine eigenen Denkpfade verlassen soll, ist es sehr schwer, eine Neubeurteilung von Situationen in Angriff zu nehmen. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere, täuschen uns gerne selber und legen unsere Routinen nur ungerne ab. Etwas Neues und Unbekanntes bringt Ungewissheit mit sich und wir müssen unsere Komfortzone verlassen. Denn das löst Ängste aus und wir bleiben dann doch lieber bei unserer Bequemlichkeit und besinnen uns auf das, was wir kennen, gelernt haben und was schon immer funktioniert hat, weil es scheinbar sicherer ist. Veränderungen im Leben bedeuten aber auch Abschied zu nehmen von Dingen, die uns ans Herz gewachsen sind. Das tut weh, weshalb man dann doch lieber auf alt bekannten Pfaden bleibt. Doch dabei werden die vielen Chancen und Gelegenheiten übersehen, die sich abseits der Pfade immer wieder auftun. 

Doch Veränderungen im Leben sind völlig normal! Deine Wünsche, Bedürfnisse oder Einstellungen haben sich im Laufe der Zeit geändert. Vielleicht ist jetzt eine Phase deines Lebens erreicht, in der es nun bedeutet etwas Neues zu wagen und deinem Leben eine neue Wendung zu geben? Denn das Alte hatte seine Zeit, das dich heute unzufrieden gemacht hat. 

Ein Perspektivwechsel kann helfen!

Bei einem Perspektivwechsel geht es darum, die Sichtweise auf bekannte Dinge zu ändern und Unterschiede wahrzunehmen. Meist sehen wir Menschen nur das, was wir gerne sehen wollen, am liebsten durch unsere eigene Brille und aus unserer Position heraus. Das engt den Blickwinkel auf Personen oder Dinge jedoch stark ein. Durch den Blick durch die Brille eines anderen beschaffst du dir mehr Informationen, infolgedessen du neue Erfahrungen sammelst, die sich in deiner Sichtweise manifestieren und sich in neuem Verhalten verankern können. Neue Einsichten zu gewinnen kann helfen, dein Leben zu verändern. Wer seine eigene Position neu bewertet, setzt wichtige innere Prozesse in Gang. Und das führt wiederum dazu, dein Leben in die gewünschte Richtung zu führen. Durch die Neuausrichtung deines Blickes bist du in der Lage, in eine andere Rolle zu schlüpfen und dich und dein Leben in einem objektiveren Bild zu betrachten. Ein neutraler Blick von außen kann helfen, festgefahrene Überzeugungen und Denkmuster zu erkennen und zu hinterfragen.

Seinen Blickwinkel zu verändern hilft dabei, neue Lösungsansätze für bereits bekannte Herausforderungen zu finden und Probleme in einer neuen Relation zu anderen Themen zu betrachten. Manchmal sieht man eben sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Mit einer neuen Sichtweise kannst du sehen, worauf du selbst bisher noch nicht gekommen bist. Ein Perspektivwechsel führt zu einem unvoreingenommenen und frischen Blick auf dein Leben!

Doch wie schaffst du es, deine Perspektive zu verändern?

Einen Perspektivwechsel muss man wollen! Es ist also ein bewusster Prozess, bei dem du möglicherweise neue Lösungen und Erkenntnisse entdecken wirst, aber auch riskierst, Gewohnheiten zu verlieren. Dies setzt voraus, dass du bereit sein musst, loszulassen, Veränderungen zuzulassen und dich selbst zu hinterfragen.

Albert Einstein sagte einmal: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ 

Und er hatte Recht!

Perspektivwechsel ist kein Hexenwerk. Hier ein paar Tipps, wie dir ein veränderter Blick auf dein Leben gelingen kann:

1. Offenheit

Erkenne, dass du in deiner Sichtweise eingeschränkt bist und sich eine selektive Wahrnehmung deiner Glaubenssätze verfestigt hat. Frage dich einmal „warum glaube ich eigentlich, was ich glaube?“ Hinterfrage generell alle Standard-Aussagen, um die Einstellungen dahinter zu entlarven und dein Denken zu verändern! 

2. Fremdwahrnehmung

Auch wenn du deine Stärken und Schwächen scheinbar am besten kennst, ist es oftmals hilfreich, selbstkritisch das eigene Verhalten zu reflektieren. Frage Außenstehende nach ihren Ansichten und Meinungen über dich und gestehe sie ihnen aber auch zu. Versuche unvoreingenommen mit ihren Meinungen umzugehen, ohne sie abzulehnen oder schlecht zu machen. Sich eigene Fehler einzugestehen ist ein weiterer Schritt, in deinem Leben etwas zu ändern.

3. Alte Gewohnheiten ablegen:

Lege ganz bewusst alte Gewohnheiten und Verhaltensweisen ab und mache nicht alles so wie sonst. Ansonsten wird sich deine Sicht der Dinge niemals verändern. Durch dein verändertes Verhalten werden neue Denkmuster angelegt, die dich zu neuen Sichtweisen anregen.

4. Empathie entwickeln:

Entwickle ein besseres Verständnis für die Perspektiven deines Gesprächspartners. Dadurch, dass es dir gelingt, dich in die Sichtweisen deines Gegenübers hineinzuversetzen, wirst du möglicherweise feststellen, dass auch dein Gesprächspartner gute Ideen und Anregungen hat, die zu einem Umdenken bei dir führen könnten.

Ein Perspektivwechsel kann also dein Leben verändern, wenn du beginnst, es ganz bewusst aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Die Welt, in der wir leben, ist für alle die gleiche, aber deine Realität hängt immer von deiner ganz persönlichen Sichtweise ab, die sich aus deinen Erfahrungen und Werten geprägt hat. Betrachtest du die Welt nun aber mit anderen Augen, lernst du, andere Menschen besser zu verstehen und entwickelst einen objektiven Abstand. Dies führt zu mehr Durchblick und Weitblick und damit zu Veränderungen in deinem Leben. 

Möchtest du deine Perspektive ändern, brauchst dabei aber Unterstützung, dann wende dich an uns. Wir begleiten dich gerne auf deinem Weg! 

Deine Mel


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Loslassen

Loslassen – sei endlich frei!

Loslassen

Egal, ob es sich um verletzte Gefühle oder Kränkungen, Schuldgefühle, schädigende Verhaltensweisen, negative Erfahrungen, unbenötigte Dinge – aber auch unsere erwachsen gewordenen Kinder, einen Ex-Partner oder einen geliebten verstorbenen Menschen handelt. Das Festhalten daran, lässt uns in der Vergangenheit verweilen, blockiert uns und kann uns sogar krank machen. Wir hadern mit der Welt, führen einen ständigen inneren Kampf, den wir nicht gewinnen können und der uns unglücklich und unzufrieden werden lässt. Manchmal halten wir etwas bewusst (Verstandesebene) fest, manchmal aber auch unbewusst (Gefühlsebene). Das kann uns nicht nur daran hindern, unsere Fähigkeiten auszuschöpfen, sondern auch gesundheitliche Folgen haben:

  • psychosomatische Beschwerden wie z.B. Magen- oder Kopfschmerzen
  • Angstzustände, Panikattacken
  • Schlaf- und Konzentrationsstörungen
  • Wut- und Hassgefühle
  • Depressionen
  • Sucht

Warum ist loslassen so schwer?

Viele spüren einen inneren Konflikt, es klingt für uns erst einmal widersinnig. Haben wir nicht gelernt, dass das Loslassen Verlust bedeutet? Etwas loszulassen heißt für viele Menschen, etwas verlieren, aufzugeben, sich zum Opfer zu machen. Der Gedanke, einen Teil von sich – der eigenen Vergangenheit – loszulassen, macht Angst! Also halten wir lieber krampfhaft fest, auch wenn es weh tut. Aber sein wir mal ehrlich – sind wir nicht viel mehr in der Opferrolle, wenn wir uns von all diesen schmerzhaften Dingen leiten lassen? Wie viel Kontrolle haben wir tatsächlich über unser Leben, unsere Gefühle, wenn wir es zulassen, dass wir in der Opferrolle verharren? Loslassen bedeutet nicht, dass uns die Dinge egal sind, es bedeutet, dass wir uns dem Positiven zuwenden und aufrichtig zu uns sind. Dass wir in der Lage sind, uns aus den Ketten und Blockaden zu befreien. Frei zu sein und uns nicht unterordnen zu müssen. Lassen wir los, gelingt es uns, im Moment zu leben. Was nicht bedeutet, dass wir keine Ziele haben oder Pläne machen sollen, aber wir machen uns frei von dem Ergebnis! Unser Glück hängt dann nämlich nicht davon ab, ob wir das Ziel erreichen oder der Plan aufgeht. Damit suchen wir auch keinen Halt im Außen mehr, sondern bleiben bei uns.

Wie lerne ich, loszulassen?

Loslassen beginnt im Kopf. Wenn wir lernen, unsere Aufmerksamkeit weg von den belastenden Dingen auf etwas Positives zu lenken, haben wir eine gute Basis geschaffen. Dabei geht es vor allem darum, zu erkennen, was wir uns selber wert sind. Manchmal haben wir das Gefühl, es würde sowieso nichts Besseres auf uns warten. Das ist falsch! Wir sollten uns immer wert sein, uns von belastenden Dingen zu befreien und uns Neuem zuzuwenden. Loslassen ist auch nicht gleichzusetzen mit aufgeben – wir versagen nicht, sondern wenden Schaden von uns ab. Dabei sollten wir nicht unterschätzen, dass das Loslassen weh tut. Etwas, was wir bisher unbedingt brauchten, fehlt uns dann. Diese Lücke gilt es erst einmal wieder zu füllen. Und dieser Prozess braucht Zeit. Wichtig ist dabei, dass wir selbst entscheiden, was wir loslassen wollen. Es geht nicht darum, was andere Personen uns raten, sondern was sich für uns richtig anfühlt.

Ein verbreiteter Irrtum in der Zen-Lehre ist der, daß wir «loslassen» müßten. Wir können uns nicht zwingen «loszulassen». Wir müssen die zugrundeliegende Angst wahrnehmen.

Charlotte Joko Beck

Dabei muss auch noch gesagt sein, dass loslassen mit Akzeptanz gleichzusetzen ist. Bei dem Verlust eines geliebten Menschen, sei es durch Trennung oder Tod, geht es nicht darum, sich von allem loszusagen und jede Erinnerung auszulöschen. Es geht vielmehr darum, zu akzeptieren, was ist und mit der Erinnerung glücklich zu leben und offen für neue Erfahrungen zu sein. Gerade nach dem Tod eines geliebten Menschen fühlen wir uns durch das Wort „loslassen“ eher beklemmt. Es suggeriert uns, die geliebte Person durch das Vergessen ein weiteres Mal zu verlieren. Die Sehnsucht, diesem Menschen weiterhin emotional nah sein zu können, gerät dadurch in Bedrängnis. Deshalb sollten wir in diesem Zusammenhang auch eher davon sprechen, dass alles was ist, sein darf. 

Tipps zum Loslassen

  1. Gewinn- / Verlustrechnung! Was gewinnen bzw. verlieren wir, wenn wir xy loslassen oder nicht loslassen?
  2. Die Umgebung wechseln, z.B. ein Ausflug in die Natur kann helfen, Abstand von xy zu bekommen und sich dem Thema „Loslassen“ mental zu nähern.
  3. Sich der Angst bewusst werden! Was passiert, wenn wir loslassen? Ist unsere Angst realistisch oder ungerechtfertigt?
  4. Akzeptieren, was war und ist. Nicht alles entspricht unseren Erwartungen oder Wünschen. Vergangenes ist vergangen.
  5. Selbstvorwürfe vermeiden! Jeder braucht solange, wie er eben braucht, um zu seiner Erkenntnis zu gelangen.
  6. Gespräche mit Menschen, die bereits loslassen konnten, sind wertvoll und machen Mut.
  7. Ein gesteigerter Selbstwert hilft uns, unser Leben nach unseren Wünschen zu gestalten und unnötigen Ballast loszulassen.
  8. Gedanken zu Papier bringen. Möchten wir uns z.B. von einer Person lösen, kann es helfen, aufzuschreiben, was wir ihr zu sagen haben.
  9. Symbolische Handlungen wie z.B. ein Band durchschneiden oder einen Gegenstand vergraben, stellvertretend für das Loslassen.
  10. Meditationen, die unser Unterbewusstsein positiv beeinflussen können.

Dir fällt es schwer, etwas Bestimmtes loszulassen? Wir unterstützen Dich gerne mit unseren Coachings dabei, Dich von unnötigem Ballast zu befreien.

Deine Vio & Mel


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Spiritualität

Spiritualität – mehr als der Blick in die Glaskugel

Spiritualität

Spiritualität ist ein Begriff, der unzählige Definitionen, Deutungen und Interpretationen mit sich zieht. Manche Wissenschaftler plädieren dafür, den Begriff der Spiritualität offen zu lassen oder ihn so zu definieren, dass sich alle Glaubensrichtungen und spirituellen Strömungen darin wiederfinden. Viele haben sich bisher daran versucht, Spiritualität in Worte zu fassen. Ich finde, Ralph Steinmann ist es am besten und umfassendsten gelungen:

Spiritualität kann als positiver Grundwert, als eigene existentielle Dimension des Menschseins definiert werden, der getragen ist von der Sehnsucht nach Lebenserfüllung und Sinnerfahrung jenseits von Leben und Tod. Sie manifestiert sich in einem individuellen dynamischen Entwicklungs- und Bewusstseinsprozess in allen Lebensphasen und Lebensbereichen, in verschiedenen Lebensweisen und Lebensorientierungen und verbindet über die innere Erfahrung einer transzendenten Wirklichkeit mit Umfeld und Umwelt.

Was ist Spiritualität?

Was aber verbinden Menschen eigentlich mit dem Begriff? Was meinen wir, wenn wir von Spiritualität sprechen? 2007 wurde dazu in Salzburg und Freiburg eine Umfrage unter Studierenden durchgeführt. 44% assoziierten den Begriff mit übernatürlicher Transzendenz (Übersinnliches, höhere Mächte, Schutzengel etc.) und 29% verbanden mit dem Begriff Esoterik und / oder Okkultismus. Weiter wurden spirituelle Praktiken wie zum Beispiel Yoga, Gefühle, Harmonie, Glaube, Lebensphilosophie, Sinn, übersinnliche Erfahrungen und Selbstfindung genannt. Andere Studien kamen zu Ergebnissen wie:

  • Verbunden- und Einssein, 
  • Beziehung zu Gott oder einer anderen höheren Macht
  • Selbsttranszendenz
  • Verbundenheit mit der Natur
  • Beziehung zu anderen Menschen
  • paranormale Erfahrung oder Fähigkeit

Hier zeigt sich sehr deutlich, wie vielfältig der Begriff Spiritualität interpretiert und bewertet wird. Für mich bezieht sich Spiritualität in erster Linie auf die Verbindung zum eigenen Selbst und zu unserer Umwelt. Aber wir alle sind frei, Spiritualität für uns so zu deuten, wie es unserer eigenen Wahrheit entspricht.

Was bedeutet Spiritualität für unser Leben?

Spiritualität kann uns helfen, uns selbst zu verwirklichen, zu Selbsttranszendenz (das Verständnis dafür, dass wir alle über unsere eigene Identität hinaus ein kleiner Teil von etwas weitaus Größerem sind) zu gelangen und vor allem eine liebevolle und mitfühlende Beziehung zu uns und unserer Umwelt zu entwickeln. Auch Achtsamkeit spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle, denn sie hilft uns ebenso wie eine ausgeprägte Wahrnehmungssensibilität den Blick auf uns und unsere Umwelt stärker zu fokussieren und hat daher in der Spiritualität einen hohen Stellenwert.

Eine weitere große Rolle spielt in der Spiritualität das Bewusstsein. Dabei geht es hier in erster Linie um das Bewusstsein, was uns hilft, unseren Fokus und unsere Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Ereignis, eine Emotion oder einen Gedanken zu fokussieren. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit mit Hilfe unseres Bewusstseins auf ein Ereignis, Gefühl oder einen Gedanken lenken, tritt alles andere in den Hintergrund. Wir werden uns somit bewusst, was gerade ist und lassen uns nicht ablenken. 

Es gibt bestimmte Fähigkeiten, die wir entwickeln und trainieren können, um unser Bewusstsein zu schärfen. Sie unterstützen uns darin, Herausforderungen auf dem Weg zu einem tieferen Bewusstsein besser zu meistern. Folgende Fähigkeiten sind hier sehr bedeutungsvoll:

  • die Fähigkeit, über eine bewusste Selbstwahrnehmung die innere und äußere Aufmerksamkeit so zu lenken, dass wir ein Ereignis, eine Emotion oder einen Gedanken in ihrer / seiner Ganzheit bewusst wahrnehmen,
  • die Fähigkeit, sein Bewusstsein zu erweitern, um sich weitere Bewusstseinsebenen zu erschließen, die wir dann gezielt einnehmen und zwischen denen wir wechseln können,
  • die Fähigkeit, eine offene Achtsamkeit zu entwickeln, die es uns ermöglicht, inneren und äußeren Impulsen gegenüber offen zu sein, sie geschehen zu lassen und zu schauen, was sie mit uns machen.

Es gibt verschiedene Lehren mit unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema Bewusstsein bzw. Bewusstseinsebenen. Von Hawkins über Freud oder Walach, der transpersonalen Psychologie bis hin zum Buddhismus sind die Bewusstseinsebenen und die Bewusstseinserweiterung unabdingbar für die Selbstreflexion und das Wachstum. Unser Bewusstsein wird beeinflusst durch alles, was wir den lieben langen Tag hören, sehen, riechen, schmecken – kurz gesagt: wahrnehmen. Wir wechseln ständig zwischen unterschiedlichen Bewusstseinsebenen. Das prägt unseren Blick auf uns und unsere Umwelt. Sie formen sozusagen unsere Realität. Deshalb ist es unglaublich wichtig, sich jeden Tag zu hinterfragen und zu reflektieren. Nur so können wir weitestgehend sicherstellen, dass unsere Realität und unsere Überzeugungen nicht durch äußere Einflüsse oder fehlgeleitete Gedanken torpediert werden. Unsere Realität soll schließlich im Idealfall unserer eigenen Sinnhaftigkeit entspringen!

Der Unterschied zur Esoterik besteht in erster Linie darin, dass Esoteriker immer im Außen suchen. Sie versuchen, ihre Lebensfragen mit Hilfsmitteln wie Karten, Orakeln o. ä. zu beantworten. Die Spiritualität konzentriert sich auf das Innere, das jedem Individuum eigen ist. Wichtige Lebensfragen und Sinnhaftigkeit werden, wie oben schon angeführt, durch die eigene Achtsamkeit und die eigenen Fähigkeiten zu beantworten versucht. Die Esoterik zielt darauf ab, etwas zu werden statt etwas zu SEIN. Ich möchte mir an dieser Stelle jedoch nicht anmaßen, den einen Weg über den anderen zu stellen. Das darf jeder für sich hinterfragen und entscheiden. 

Wenn Du Dir mehr Spiritualität in Deinem Leben wünschst, begleite ich Dich gerne auf dem Weg im Rahmen unserer Coachings.

Deine Vio


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Trauer

Trauer – ein Anfang und kein Ende

Trauer

Trauer entsteht durch den Verlust eines Menschen (oder anderen Lebewesens) und beschreibt den Schmerz, den man in diesem Zusammenhang spürt. Jeder empfindet und verarbeitet Trauer anders. Trauer ist ein sehr persönlicher und individueller Prozess! Manche Menschen neigen dazu, diese schmerzvolle Emotion zu unterdrücken, andere wiederum leben sie aus. 

Was ist besser oder schlechter? Klar ist, beim Thema „Trauer“ gibt es, wie so oft, kein Patentrezept. Trauer ist nichts, was nach einer bestimmten Zeit einfach vorüber ist. Sie ist nicht einfach vorbei. Aber wir lernen, mit ihr zu leben. Die Gedanken an den geliebten Menschen (das geliebte Lebewesen) ist irgendwann nicht mehr so schmerzlich, schöne Erinnerungen zaubern uns ein Lächeln auf das Gesicht. Doch egal, wie viel Zeit vergeht – es gibt sie immer wieder, die traurigen Momente. Die Momente, in denen jede Erinnerung scharf wie ein Schwert ist. Uns Hiebe versetzt, uns die Luft zum Atmen nimmt. Momente, in denen wir verzweifeln möchten, auch wenn der Verlust vielleicht schon Jahre zurück liegt. Manchmal gibt es auch Dinge, die uns plagen. Etwas Unausgesprochenes, vertane Chancen. Jede Trauer ist so einmalig, wie die Geschichten der Menschen, die sie verbindet.

Niemand ist fort, den man liebt. Liebe ist ewige Gegenwart.

Stefan Zweig

Der Schmerz geht, die Liebe bleibt. Jedenfalls die meiste Zeit über. Und wenn uns die Traurigkeit mal überkommt, dürfen wir sie sein lassen. Wir dürfen in sie hinein spüren und wahrnehmen, was sie uns sagen will. Nämlich: „Ich liebe dich. Immer. Es gibt keinen Abschluss.“ Die Trauer verändert sich, aber sie bleibt. Für immer. Denn sie steht für das Gefühl der Verbundenheit, den Verlust und die immerwährende Liebe und Nähe. 

Über die Trauer hinwegkommen

Wollen wir das wirklich? Geht das überhaupt? Wenn wir uns darauf besinnen, für was unsere Trauer steht, dann kann ich zumindest ganz klar NEIN sagen. Niemals möchte ich das Gefühl missen, auch wenn es manchmal schwer ist. Wehmütig macht. Bitter-süß schmeckt. Denn die Trauer um meine geliebten Menschen ist ein Teil von mir. Von uns. 

Trauer zu unterdrücken, kann uns auf Dauer krank machen. So wie es alle unliebsamen Emotionen tun, die wir gerne einfach ignorieren. Früher oder später sucht sich die Trauer ihren Weg. Nicht selten gipfelt sie in einer Depression, Angststörung, Panikattacken oder körperlichen Beschwerden, wenn wir sie nicht zulassen.

Welchen großen Einfluss emotionaler Stress zum Beispiel durch (unterdrückte) Trauer haben kann, sieht man am Broken-Heart-Syndrom. Hierbei handelt es sich um eine Herzmuskelerkrankung, die zu Herzschwäche und Herzinfarkt ähnlichen Symptomen führen kann. Meist jedoch wieder vollständig ausheilt, wenn der Stressor nachlässt. Daran kann man gut erkennen, wie wichtig der Trauerprozess ist.

Trauer braucht Zeit

Wie lange darf man trauern? Was ist normal? Wann ist es zu viel? Hier gibt es einfach kein richtig oder falsch. Es gibt keinen Tag X, an dem keine Zeit mehr für Tränen und Schmerz ist. Früher gab es das Trauerjahr und ich finde das nach wie vor sehr passend. Mein Gedanke dabei ist immer, dass der Trauerprozess den Jahreszeiten sehr ähnelt. Der Herbst, in dem die Blätter fallen, das Leben zu Ende geht. Melancholie und Wehmut sich breit machen. Der Winter, der uns den Rückzug und die Einkehr bringt. Das Dunkel, in dem wir still verweilen. Allein mit unseren Gedanken blicken wir traurig auf den vergangenen Sommer. Der Frühling, in dem wir vorsichtig wieder ins Leben zurück kommen. Spüren, dass neues Leben sich regt. Die Welt sich mit uns weiterdreht. Und letzten Endes der Sommer, in dem die Sonne uns wärmt. Wir Liebe und Geborgenheit erfahren.

Verstummt

Deine Stimme lang verstummt. Tage vergehen. Stille.

Zu nah, zu fern. Traurigkeit bleibt. Abschied. Nicht bereit.

Ein Leben. Zu kurz. Kein Erbarmen. Du und ich. Vereint für immer.

Violetta Braimovic

Für manche Menschen reicht der Zyklus nicht aus, andere durchlaufen den Prozess der Trauer schneller. Alles ist okay. Jeder hat ein eigenes Tempo und das bedeutet nicht, dass der eine Mensch mehr oder weniger stark trauert als der andere. Wir trauern einfach nur verschieden.

Was, wenn die Trauer zu stark ist?

So individuell wie die Trauer selber, sind auch die Bedürfnisse der Trauernden. Die einen möchten reden, sich austauschen. Über die geliebte Person sprechen. Die anderen hüten ihre Erinnerungen im Stillen. Wenn du merkst, dass du allein mit deiner Trauer schlecht zurecht kommst, hol dir bitte unbedingt Unterstützung. Es gibt eine große Anzahl an Hilfsangeboten. Sie reichen vom Gespräch mit einem guten Freund / einer guten Freundin über Selbsthilfegruppen bis zur individuellen Trauerbegleitung durch Therapeuten und Coaches.

Deine Vio


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Selbstliebe

Wie egoistisch ist es, sich selbst zu lieben?

Selbstliebe

Der wichtigste Mensch in deinem Leben bist du! Nur eine Floskel oder steckt doch mehr Wahrheit in diesen Worten? Selbstliebe ist für viele Menschen negativ behaftet – sie verwechseln Selbstliebe mit Selbstverliebtheit oder Selbstsucht. Aber genau dieser Unterschied ist entscheidend. Sind wir nämlich in uns selbst verliebt, sehen wir uns durch eine rosarote Brille und stellen uns vielleicht sogar auf ein Podest. Wir agieren aus einem Mangel an Liebe zu uns selbst  heraus. Wir verwechseln dann häufig „brauchen“ mit „lieben“. Hier laufen wir schnell Gefahr, egoistisch zu werden und zu handeln. Lieben wir uns jedoch selbst, so nehmen wir uns an und wissen auch um unsere Schwächen. Wir sind mit uns im Reinen. Eine wichtige Voraussetzung um auch andere Menschen wahrhaft lieben und annehmen zu können. Selbstliebe ist sozusagen eine positive Form von Egoismus, denn Egoismus ist für uns Menschen bis zu einem gewissen Grad überlebenswichtig.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, was mich immer wieder hinunter zog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich diese Haltung „gesunden Egoismus“. Heute weiß ich, das ist Selbstliebe.

Charlie Chaplin

Selbstliebe als Säule des Selbstwerts

Unsere Selbstliebe ist ein Grundbaustein unseres Selbstwerts. Sie hilft uns, unser Selbstvertrauen aufzubauen, uns selbst zu achten und unsere Gefühle zu regulieren. Sie fördert unsere Authentizität und sorgt dafür, dass wir im Umgang mit anderen Menschen ehrlicher sein können. 

Auch für unsere Beziehungen ist eine gesunde Selbstliebe wichtig. Lieben wir uns selbst zu wenig, suchen wir Bestätigung bei anderen Menschen. Häufig geraten Beziehungen dadurch in Schieflage. Einerseits weil der andere Part eventuell nicht in der Lage ist, unser Bedürfnis nach Anerkennung zu erfüllen, andererseits weil es uns nicht genügt und wir immer mehr fordern.

Auch das Streben nach materiellen Dingen kann auf eine zu geringe Selbstliebe zurückzuführen sein. Durch immer stärkeren Konsum versuchen wir diesen Mangel auszugleichen, doch häufig ist es einfach nie genug.

Was genau ist nun aber Selbstliebe?

Zuerst einmal ist Selbstliebe nicht einfach. Sie zeigt sich nicht durch nette Instagram-Fotos, mit denen wir zeigen, dass wir uns etwas gönnen. Den leckeren Latte-Macchiato, die neuen Schuhe oder den angesagten Lebensratgeber. Sicher ist „sich etwas gönnen“ wichtig, aber wahre Selbstliebe sucht nicht im Außen, sondern wurzelt in uns und kommt auch aus uns heraus. Das Empfinden wahrer Selbstliebe kann unser Leben nachhaltig prägen und verändern. Selbstliebe hilft uns Stress zu verhindern, weil wir lernen, die richtigen Prioritäten für unser Leben zu finden. Wir erkennen, was wir uns zumuten können und überfordern uns somit nicht ständig. Selbstliebe gibt uns Selbstsicherheit und lässt uns auch mal „Nein!“ sagen. 

Wir erlernen Selbstliebe in der Regel in der Kindheit, wenn wir bedingungslose Liebe durch unsere  Eltern und andere Bezugspersonen erfahren. Was aber, wenn das nicht der Fall ist? Wenn die Liebe zum Kind an Bedingungen und Erwartungen geknüpft wird? Dadurch erlernen wir, dass wir uns nur selbst wertschätzen und lieben können, wenn wir etwas gut gemacht haben, viel Geld verdienen, ein makelloses Äußeres haben oder arbeiten bis zum Umfallen. So wird unsere Fähigkeit zur Selbstliebe fehlgeleitet.

Selbstliebe erlernen

Ist nun alles zu spät? Nein! Denn Selbstliebe kann man auch als Erwachsener erlernen. Wir haben hier einige Tipps für dich, die dir helfen, deine Selbstliebe zu stärken.

  1. Sei dein bester Freund und behandle dich auch so! Schätze dich wert und sei gutmütig mit dir. So wie du deinem besten Freund seine Fehler vergibst, vergib auch dir, wenn mal etwas schief läuft. Tröste dich und mach dich nicht fertig. Nimm dich gedanklich in den Arm und führe dir deine Stärken vor Augen.
  2. Womit warst du heute zufrieden? Schreib auf, was du heute Positives erfahren hast. Was hast du vielleicht gut gemacht oder dir gegönnt? Worüber hast du dich vielleicht gefreut? Regelmäßiges Journaling kann dir hier helfen.
  3. Freue dich, wenn dir etwas gelungen ist! Klopf dir ruhig selber mal auf die Schulter und sei stolz auf dich. Gönne dir etwas Selbstbestätigung.     
  4. Vergleiche dich nicht mit anderen! Keine leichte Übung und nicht immer einfach. Wir alle vergleichen uns ständig mit anderen Menschen. Versuche dich, zuerst für dich selbst zu interessieren und erst dann auf andere Menschen zu schauen.
  5. Setze Grenzen und vertrete deine Ansichten! Niemand kann erraten, was dir gerade durch den Kopf geht. Gewöhne dir an, deiner Umwelt klar zu sagen, was dich beschäftigt und was deine Bedürfnisse sind. Sage nein, wenn du etwas nicht möchtest. So erleichterst du dir und deiner Umwelt den Umgang miteinander.
  6. Tu dir etwas Gutes! Mach einfach mal das, worauf du gerade Lust hast. Lass die Arbeit liegen und gehe deinen Bedürfnissen nach. Gönne dir etwas, nimm dir eine Auszeit – ganz gleich, was du gerne magst, wichtig ist, dass du es tust! Vielleicht kannst du hier ein kleines Ritual für dich entdecken.

In unseren Coachings schulen wir unsere Klienten regelmäßig auch zum Thema „Selbstliebe“. Wenn du also noch mehr Input haben möchtest, dann wende dich gerne an uns.

Deine Vio


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Selbstbild verbessern

Dein Selbstbild beeinflusst Deinen Erfolg

Selbstbild

Kennst du das auch? Am Anfang bist du total überzeugt von etwas, einem neuen Projekt, zum Beispiel willst du mehr Sport machen, mit dem Rauchen aufhören oder eine Idee fürs eigene Business entwickeln. Dann brennst du total dafür und denkst an nichts anderes, bis nach ein paar Wochen die Luft wieder raus ist. Du beginnst also Dinge, verlierst aber immer irgendwann die Motivation und gibst dann schnell wieder auf. Und dann ärgerst du dich wahnsinnig über dich selbst und fragst dich jedes Mal, warum das so ist, warum du es nicht schaffst, Dinge durchzuziehen und zu beenden.

Es könnte an deinem Selbstbild liegen. Also wie du über dich denkst. Deine Gedanken, die du dir über dich selbst machst, bestimmen nämlich dein Selbstbild.

Denkst du zum Beispiel, dass du …

  • eine attraktive Frau / ein attraktiver Mann bist?
  • nur das Beste in deinem Leben verdienst?
  • erfolgreich bist?

Oder denkst du eher, dass du …

  • nicht gut genug bist?
  • etwas nicht verdienst?
  • nie deine Ziele erreichen kannst?

Genau dieses Selbstbild entscheidet dann darüber, ob du im Leben Erfolg hast oder ständig versagst, ob du beliebt oder unbeliebt bist oder glücklich oder unglücklich bist. Dein Selbstbild entscheidet auch darüber, wie dich andere wahrnehmen und wie sie sich dir gegenüber verhalten.

Wie entsteht dein Selbstbild?

Die Psychologie definiert das Selbstbild als unsere Vorstellung über die eigene Person. Jeder von uns hat ein Bild von sich, seiner Persönlichkeit, seiner Stärken und Schwächen. Dieses Selbstbild ist durch Erfahrungen und Erlebnisse in der Kindheit, vor allem in den ersten sieben Jahren, entstanden. Alle Fehler, Verletzungen, Niederlagen und Erfolge formen dein Selbstbild. Als Kind funktioniert deine Selbstwahrnehmung noch nicht so gut. Du bist einfach noch nicht in der Lage, deine eigene Persönlichkeit zu erkennen.

Darum glaubst du natürlich alles, was dir deine Umwelt sagt, ohne es auf seine Richtigkeit zu überprüfen. Du wirst es glauben, wenn du von deinem Umfeld immer wieder gespiegelt bekommst, dass du zum Beispiel etwas nicht kannst, zu schnell aufgibst oder kein Selbstvertrauen hast. Daraus entstehen die sogenannten Glaubenssätze, innere Überzeugungen, wie wir uns selbst wahrnehmen und wie wir über uns denken.

Glaubenssätze prägen Dein Selbstbild

Um bei unserem obigen Beispiel zu bleiben könnte dir vielleicht jemand in deiner Kindheit ständig gesagt haben „Nie bringst du was zu Ende!“. Dieser und möglicherweise viele andere solcher Sätze oder weitere negative Erfahrungen hinterlassen einen Abdruck in deiner Psyche und prägen dein immer negativer werdendes Selbstbild. Seitdem siehst du dich dann möglicherweise als einen Menschen, der Dinge nicht zu Ende bringt und genau das kann zur selbsterfüllten Prophezeiung werden. 

Henry Ford hat einmal gesagt: 

„Ob du glaubst, dass du es kannst oder ob du glaubst, dass du es nicht kannst. Du hast recht behalten!“

Deine Glaubenssätze werden sich immer bestätigen, da du immer Beweise dafür finden wirst, was du im Inneren über dich selbst denkst. Das kommt daher, dass der Mensch mehr Reize aus seiner Umwelt aufnimmt, als er sie bewusst verarbeiten kann. Was heißt, wir nehmen nur das wahr, worauf unsere Wahrnehmung programmiert ist. Das kann auch dazu führen, dass in objektive Situationen unsere subjektive Meinung hinein interpretiert wird. Dein Selbstbild formt dein Leben, da es dein Denken, Handeln und Fühlen beeinflusst.

Dein Selbstbild setzt sich zusammen aus:

  • deiner Identität (Name, Alter, Geschlecht, Ausbildung, Beruf, Anschrift)
  • deiner gesellschaftlichen Position
  • deiner Selbstwahrnehmung, wie du deinen Körper siehst und bewertest
  • deinen Talenten, Fähigkeiten und Fertigkeiten
  • deinen Zielen, Interessen, Bedürfnissen & Werten
  • deinen Wünschen und Zielen, die du hast
  • deinen Erfahrungen aus deiner Kindheit, die du gemacht hast (Erfolge, Niederlagen)
  • dem, was andere über dich denken
  • deinen Beziehungen und deinem Besitz, die du hast und wie du sie einschätzt

Einige dieser Faktoren können dein Selbstbild positiv, andere negativ beeinflussen. Das Problem ist, je mehr negative Aussagen du zu hören bekommen hast und je mehr negative Erfahrungen du gesammelt hast, desto negativer verfestigt sich dein Selbstbild. 

Dem Teufelskreis entkommen

Ein negatives Selbstbild bedeutet, dass du selbst schlecht über dich denkst. Diese Gedanken haben Einfluss auf dein Verhalten und deine Ausstrahlung. Folglich nehmen dich die anderen auch negativ wahr und sehen dich genau so, wie du dich innerlich selber siehst. Es entsteht ein Teufelskreis: Weil du ein negatives Selbstbild hast, das du auch nach außen ausstrahlst, reagiert dein Umfeld dir gegenüber auch negativ. Es verhält sich dir gegenüber abweisend oder sagt schlimme Dinge über dich. Das bestätigt dich dann in deinem Bild über dich selbst!

Diese Erkenntnis von der Macht des Selbstbildes kann einerseits helfen: das Problem wird klarer, man verzweifelt nicht mehr so stark am eigenen Verhalten, weil man eine Erklärung dafür hat. Andererseits aber verzweifelt man an dem Problem oft mehr, denn man hat das Gefühl, nicht viel ändern zu können. 

Wann solltest du dein Selbstbild verändern?

Erfahrungsgemäß haben die meisten Menschen ein eher negatives Bild von sich. Solltest du überwiegend negativ über dich denken, wäre es Zeit für eine Veränderung, denn mit diesem Bild von dir selbst machst du es dir unmöglich, glücklich und erfolgreich zu sein. Unser Selbstbild entscheidet über unser Selbstwertgefühl und unser Selbstvertrauen. Sehen wir uns in einem positiven Licht, dann haben wir ein positives Selbstwertgefühl und fühlen uns stark und selbstsicher. Andersherum führt ein negatives Selbstbild zu Minderwertigkeits-gefühlen und wir fühlen uns wie ein Versager. Dies kann zu psychischen Problemen wie sozialen Ängsten und Depressionen führen.

Das, was wir tun oder wie wir uns verhalten, wird immer von dem Bild von uns selbst beeinflusst. Wenn wir zum Beispiel glauben, wir seien ein Pechvogel, dann werden wir auch ständig vom Pech verfolgt werden. Doch was du von dir selbst glaubst, liegt ab einem gewissen Alter in deiner alleinigen Verantwortung und du kannst dir aussuchen, wie du dich selbst gerne sehen willst. Die Art, wie du über dich denkst bestimmt deine Handlungen in der echten Welt! 

Nehmen wir einmal an, du hast den großen Traum, dich selbstständig zu machen und erfolgreich ein Business aufzuziehen, um damit viel Geld verdienen zu können. Wenn du jedoch nicht an dich glaubst und denkst, dass du es sowieso nicht schaffst, wirst du dein Projekt nur halbherzig oder auch gar nicht angehen. Die Folge daraus ist: Du wirst scheitern.

Wenn du also in deinem Leben etwas verändern möchtest, musst du zuallererst dein Denken über dich verändern. Der Glaube an dich selbst macht dich stärker und selbstsicherer, weil du mit deinem positiven Selbstbild deine Talente, Fertigkeiten und Fähigkeiten besser nutzen kannst.

Ein positives Selbstbild aufbauen

Glücklicherweise ist unser Selbstbild nicht in Stein gemeißelt, sondern veränderbar. Haben wir gelernt meist negativ über uns zu denken, können wir nun auch lernen, uns ein neues, positives Bild von uns zu erschaffen.

Um den oben genannten Kreislauf zu durchbrechen, ist es am besten nicht mehr auf die Meinung anderer zu hören, denn was andere über dich sagen oder denken, sagt absolut nichts über dein Selbst aus. Entscheide selbst, wie du sein möchtest, dich wahrnimmst und über dich denkst!

Mache dir dazu erst einmal deiner Gedanken bewusst. Hinterfrage deine negativen Gedanken und finde positive Gegenbeispiele. Stelle dir dazu immer folgende Fragen:

  • Ist das wirklich so?
  • Ist das immer so?
  • Muss das so bleiben?

Beispiel:

Ich kann nie meine Ziele erreichen.

Ist das wirklich so? „Eigentlich nicht. Ich habe mein Abitur bestanden und mein Studium abgeschlossen.“

Wichtig ist, dass du dir eine Liste mit nun positiven Gedanken über dich anlegst und sie dir jeden Tag laut vorliest. Auf diese Weise festigt sich dein positives Selbstbild und verankert es in deinem Unterbewusstsein.

Somit hast du dein Selbstbild mit Hilfe von Affirmationen umprogrammiert. Affirmationen sind effektive Techniken des Mentaltrainings. Affirmationen sind „bejahende Aussagen“. Sie sind unter anderem zum Loslassen und für den Aufbau von Selbstvertrauen von Nutzen. Sie geben dem Unterbewusstsein durch positiv formulierte Sätze eine neue Orientierung, wodurch Denkgewohnheiten verändert werden. Verhaltensweisen und Entscheidungen werden dadurch beeinflusst, weil sie durch die Affirmationen immer in Richtung der gesetzten Ziele gelenkt werden. Das liegt daran, dass unser Unterbewusstsein wesentlich mehr weiß, als unser Bewusstsein.

Beispiele sind:

  • Ich bin selbstbewusst
  • Ich bin ein wertvoller Mensch
  • Ich verdiene viel Geld
  • Ich bin Top-Manager eines großen Unternehmens

Der Nachteil dieser Affirmationen kann aber auch sein, dass man sich auf die Suche nach den magischen Worten begibt, die man sich vor sich selbst wiederholen kann, wie eine Art Gehirnwäsche. Aber egal, welche Worte verwendet wurden, es hat sich zwar kurzfristig gut angefühlt und oft aber auch nicht. Und vor allem hat es nichts am Selbstbild und am Verhalten geändert. Oft ist es nämlich so, dass die meisten Sachen, die wir für feste Eigenschaften von uns halten, einfach Fähigkeiten sind, die wir trainieren können. Unser Selbstbild ist etwas Konstruiertes, mit dem unser Gehirn Halt finden und uns geben will, dass wir uns, in dieser unsicheren Welt, sicher über uns selbst sind. Dieses Konstruierte ist solange die komplette Wahrheit für uns, bis wir eine andere kennenlernen oder wählen. Die größte Schwachstelle von Affirmationen ist, dass wir sie nicht glauben, egal wie stark wir sie uns immer wieder vor uns hersagen. 

Kleine Schritte führen zum besseren Selbstbild

Doch was können wir leichter glauben als Affirmationen? Dinge, die im Außen passieren. Es ist schwierig, uns für etwas zu halten, zum Beispiel ein Top-Manager, wenn wir es noch gar nicht sind. 

Der vielleicht bessere Weg dein Selbstbild zu verändern, ist die WAHRHEIT über dich zu verändern! Wir glauben der Wahrheit mehr als irgendwelchen Affirmationen. Wenn du dich also so sehen möchtest, dass du niemand bist, der gerne schnell aufgibt, dann könntest du genau damit anfangen, ebensolche Erfahrungen zu sammeln. Du könntest dir zum Beispiel jeden Tag kleine Ziele setzen, die du dann auch zu Ende bringst und sofort aufschreibst, dass du sie zu Ende gebracht hast. Je mehr du davon erlebst und aufschreibst, desto mehr wird sich dein Selbstbild verändern und das auf eine stabile Weise, denn es entspricht von Tag zu Tag mehr der Wahrheit, dass du ein Mensch bist, der Dinge beendet. Bei Zweifeln kannst du dann immer wieder in deine Aufzeichnungen schauen. Wichtig ist also, in kleinen Schritten immer mehr die Dinge zu TUN, die du für richtig hältst. Damit verhältst du dich so, wie du sein willst. Du erschaffst dir dadurch eine Vision von dir selbst, die mehr Kraft entwickelt als jedes visualisierte Ziel im Außen, was du denkst, erreichen zu müssen. Der größte Nutzen von Zielen ist, dass DU dich veränderst auf dem Weg dahin. Es geht also ums Hineinleben in das Bild, dass du über dich haben willst und in die Vision von dem Menschen, der du sein willst. 

Wir brauchen nicht nur schöne Gedanken, sondern vor allem Handlungen. Handlungen, die du visualisiert darstellst, damit du immer den Beweis vor Augen hast, dass du tatsächlich die Person bist, die du sein möchtest.

Wenn du dein Selbstbild verändern möchtest, probiere es doch einfach einmal aus! Und solltest du dabei Hilfe benötigen, schreibe uns gerne an. Mit unseren persönlichen Coachings unterstützen wir dich auf deinem Weg zu dir selbst.

Deine Mel


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