Selbstliebe

Wie egoistisch ist es, sich selbst zu lieben?

Selbstliebe

Der wichtigste Mensch in deinem Leben bist du! Nur eine Floskel oder steckt doch mehr Wahrheit in diesen Worten? Selbstliebe ist für viele Menschen negativ behaftet – sie verwechseln Selbstliebe mit Selbstverliebtheit oder Selbstsucht. Aber genau dieser Unterschied ist entscheidend. Sind wir nämlich in uns selbst verliebt, sehen wir uns durch eine rosarote Brille und stellen uns vielleicht sogar auf ein Podest. Wir agieren aus einem Mangel an Liebe zu uns selbst  heraus. Wir verwechseln dann häufig „brauchen“ mit „lieben“. Hier laufen wir schnell Gefahr, egoistisch zu werden und zu handeln. Lieben wir uns jedoch selbst, so nehmen wir uns an und wissen auch um unsere Schwächen. Wir sind mit uns im Reinen. Eine wichtige Voraussetzung um auch andere Menschen wahrhaft lieben und annehmen zu können. Selbstliebe ist sozusagen eine positive Form von Egoismus, denn Egoismus ist für uns Menschen bis zu einem gewissen Grad überlebenswichtig.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, was mich immer wieder hinunter zog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich diese Haltung „gesunden Egoismus“. Heute weiß ich, das ist Selbstliebe.

Charlie Chaplin

Selbstliebe als Säule des Selbstwerts

Unsere Selbstliebe ist ein Grundbaustein unseres Selbstwerts. Sie hilft uns, unser Selbstvertrauen aufzubauen, uns selbst zu achten und unsere Gefühle zu regulieren. Sie fördert unsere Authentizität und sorgt dafür, dass wir im Umgang mit anderen Menschen ehrlicher sein können. 

Auch für unsere Beziehungen ist eine gesunde Selbstliebe wichtig. Lieben wir uns selbst zu wenig, suchen wir Bestätigung bei anderen Menschen. Häufig geraten Beziehungen dadurch in Schieflage. Einerseits weil der andere Part eventuell nicht in der Lage ist, unser Bedürfnis nach Anerkennung zu erfüllen, andererseits weil es uns nicht genügt und wir immer mehr fordern.

Auch das Streben nach materiellen Dingen kann auf eine zu geringe Selbstliebe zurückzuführen sein. Durch immer stärkeren Konsum versuchen wir diesen Mangel auszugleichen, doch häufig ist es einfach nie genug.

Was genau ist nun aber Selbstliebe?

Zuerst einmal ist Selbstliebe nicht einfach. Sie zeigt sich nicht durch nette Instagram-Fotos, mit denen wir zeigen, dass wir uns etwas gönnen. Den leckeren Latte-Macchiato, die neuen Schuhe oder den angesagten Lebensratgeber. Sicher ist „sich etwas gönnen“ wichtig, aber wahre Selbstliebe sucht nicht im Außen, sondern wurzelt in uns und kommt auch aus uns heraus. Das Empfinden wahrer Selbstliebe kann unser Leben nachhaltig prägen und verändern. Selbstliebe hilft uns Stress zu verhindern, weil wir lernen, die richtigen Prioritäten für unser Leben zu finden. Wir erkennen, was wir uns zumuten können und überfordern uns somit nicht ständig. Selbstliebe gibt uns Selbstsicherheit und lässt uns auch mal „Nein!“ sagen. 

Wir erlernen Selbstliebe in der Regel in der Kindheit, wenn wir bedingungslose Liebe durch unsere  Eltern und andere Bezugspersonen erfahren. Was aber, wenn das nicht der Fall ist? Wenn die Liebe zum Kind an Bedingungen und Erwartungen geknüpft wird? Dadurch erlernen wir, dass wir uns nur selbst wertschätzen und lieben können, wenn wir etwas gut gemacht haben, viel Geld verdienen, ein makelloses Äußeres haben oder arbeiten bis zum Umfallen. So wird unsere Fähigkeit zur Selbstliebe fehlgeleitet.

Selbstliebe erlernen

Ist nun alles zu spät? Nein! Denn Selbstliebe kann man auch als Erwachsener erlernen. Wir haben hier einige Tipps für dich, die dir helfen, deine Selbstliebe zu stärken.

  1. Sei dein bester Freund und behandle dich auch so! Schätze dich wert und sei gutmütig mit dir. So wie du deinem besten Freund seine Fehler vergibst, vergib auch dir, wenn mal etwas schief läuft. Tröste dich und mach dich nicht fertig. Nimm dich gedanklich in den Arm und führe dir deine Stärken vor Augen.
  2. Womit warst du heute zufrieden? Schreib auf, was du heute Positives erfahren hast. Was hast du vielleicht gut gemacht oder dir gegönnt? Worüber hast du dich vielleicht gefreut? Regelmäßiges Journaling kann dir hier helfen.
  3. Freue dich, wenn dir etwas gelungen ist! Klopf dir ruhig selber mal auf die Schulter und sei stolz auf dich. Gönne dir etwas Selbstbestätigung.     
  4. Vergleiche dich nicht mit anderen! Keine leichte Übung und nicht immer einfach. Wir alle vergleichen uns ständig mit anderen Menschen. Versuche dich, zuerst für dich selbst zu interessieren und erst dann auf andere Menschen zu schauen.
  5. Setze Grenzen und vertrete deine Ansichten! Niemand kann erraten, was dir gerade durch den Kopf geht. Gewöhne dir an, deiner Umwelt klar zu sagen, was dich beschäftigt und was deine Bedürfnisse sind. Sage nein, wenn du etwas nicht möchtest. So erleichterst du dir und deiner Umwelt den Umgang miteinander.
  6. Tu dir etwas Gutes! Mach einfach mal das, worauf du gerade Lust hast. Lass die Arbeit liegen und gehe deinen Bedürfnissen nach. Gönne dir etwas, nimm dir eine Auszeit – ganz gleich, was du gerne magst, wichtig ist, dass du es tust! Vielleicht kannst du hier ein kleines Ritual für dich entdecken.

In unseren Coachings schulen wir unsere Klienten regelmäßig auch zum Thema „Selbstliebe“. Wenn du also noch mehr Input haben möchtest, dann wende dich gerne an uns.

Deine Vio


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